Todestanz - Mordenkainen5

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Mordenkainen
Esidur

… Und ihr glaubt den Berichten?
Dieser Narr Otiluke rannte in sein eigenes Verderben,
aber der Drache? Ich kann nicht glauben, daß Faldendur
übergelaufen ist… ich kenne ihn schon Ewigkeiten…

… Dinge ändern sich, Torin, meist schnell
und ohne Vorwarnung, mich wundert es nicht.
Ein Wesen wie ihn zu unterschätzen… ist tödlich.
Von Otiluke, so hört man, fand man nur noch Fetzen…

Die Sonne fiel langsam durch das Fenster, als
beide Männer sich musterten… beide trugen die
Tracht des Klerus… und einer hatte seine
Stirn in tiefe Falten gelegt.

… Torin, ich hoffe, daß meine Entscheidung
damals kein Fehler war. Mordenkainen zu schlagen,
das ist wichtig für alle Reiche… aber er ist
stärker geworden als ich es mir erträumte…

… Meister, Ihr hattet eine Vision… und folgt dieser.
Ich finde, daß die Götter selbst ihr Urteil fällen werden.
Wenn Ihr es nicht schaffen könntet, hätten Sie
Euch dann erwählt? Sicher nicht…

Schmunzelnd wichen die Falten… und zeigten
kurz das Aufblitzen der Jugend in den Augen des
älteren Priesters. Vor noch gar nicht langer Zeit,
da hätte er sich selbst so gescholten.

… Eure offene Art gefällt mir am besten an Euch.
Viele hätten Euch jetzt zurechtgewiesen, und Euren
Tadel an mir wieder mit Tadel vergolten… aber…
Ihr habt völlig recht, mein Freund…

Im Vorbeigehen legte Esidur eine Hand auf Torin’s
Schulter und verharrte kurz.
Dann schritt er entschlossen auf seinen kleinen
persönlichen Altar zu; seine Gebetsecke.

… Meister, Eure Entscheidung war richtig. Die
faulen Priester und korrupten Magier unter einem Vorwand
einzuladen… und dann der Bestie zu überlassen…
war nötig. Zwei Fliegen auf einen Streich…

… Aber, es war keine gute Tat. Sie hatten den Tod
verdient, ja. Aber sind wir die Richter?
Es mußte sein, um der Götter willen,
aber trotzdem plagt mich mein Gewissen…

Er kniete vor seinem Heiligtum und verharrte dort,
die Augen geschlossen… lauschend auf sein Herz
und seinen Schüler… ein leichter Wind trug den
Duft der Welt herein…

… Wißt Ihr, in Eurem Alter hatte ich noch nicht
viel erlebt… und sah die Dinge noch mit dem
Eifer und Enthusiasmus der Jugend…
aber jetzt, da blicke ich zurück auf das Leid…

… Und Ihr wißt, Esidur, daß manche Dinge getan
werden mußten, zum Wohle des Lebens und zum
Wohle der Götter, oder ist es nicht so…
alter Freund?...

Ein Mann in wallender Robe erschien aus dem Nichts,
wie selbstverständlich… sein Stab leuchtete,
das Juwel am Ende pulsierte in warmem Licht.
Macht strömte durch den Raum… Magie und Macht.

Ein Lächeln zog sich über das Gesicht Esidur’s…
er erhob sich und maß sein Gegenüber mit Blicken,
erkannte, daß die Zeit nahezu spurlos an ihm vorüber
gegangen war… zwanzig Jahre sind jedoch nicht wenig…

… Alanor Brenwyn, Euch zu sehen! Ihr seht aus wie damals,
als wir noch miteinander durch die Welt zogen!
Es tut gut, Euch zu sehn. Verratet Ihr mir Euer Schönheitsrezept?
Offenbar habt Ihr noch viel erlebt, seit sich unsere Wege trennten…

Beide Männer umarmten sich, klopften sich kurz auf den
Rücken… und waren beide erleichtert, den anderen am Leben und
gesund zu sehen. Freundschaft… wie sie unter Brüdern vorkommt…
stand zwischen den beiden Menschen.

… Esidur, dafür, glaubt mir, tragt Ihr nicht die Feindschaft von
Drachen und Gorgonen mit Euch… ich habe auf meinen
Reisen mehr Feinde denn Freunde gefunden.
Und… wenn ich zurückblicke, niemals mehr jemand wie Euch…

… Feindschaft… würdet Ihr die Feinde…
samt und sonders… alle, die Euch töten wollen…
eintauschen gegen einen einzigen Feind?
Würdet Ihr sie gegen Mordenkainen tauschen? ...

Bei diesen Worte wich Alanor zurück, sein
Gesicht verzog sich zu einer Maske des Entsetzens…
bei allen Monstern, der er jemals sah…
so war doch dieser Name verhaßter als alles andere.

… Er ist tot! Wir haben ihn damals besiegt! Sein
Geist ist in die Abyss gefahren, seine Essenz vernichtet!
Wovon redet Ihr? Es kann nicht sein! Dieser
Terror kann nicht wieder beginnen! ...

Torin war sprachlos… einen Mann wie Brenwyn,
die lebende Legende, sah man nicht oft im selben
Raum wie Esidur. Zwei Männer, die zusammen
Welten verändert hatten.

… Mein Freund… die Götter haben mir eine Vision
auferlegt… Mordenkainen… wurde von mir zurück-
geholt. Wir gaben ihm in dieser Welt einen Halt…
um ihn endgültig zu zerstören… anders als damals…

… Aber, aber… wir haben ihn geschlagen! Er starb
in seiner Feste und verbrannte! Wir alle sahen es!
Von welcher Vision sprecht Ihr? Und… warum
wart auch noch Ihr es, der Ihn dann wiederbelebte? ...

… Damals, da hatte er damit gerechnet, daß er
sterben würde. Er festigte schon im Totenreich,
seinem Teil der Abyss, sich einen Sitz. Er war auf
alles vorbereitet. Und dort gewann er noch an Macht…

… Ich… verstehe… das sind schlimme Nachrichten.
Eigentlich wollte ich Euch nur besuchen, nach der langen
Zeit. Ich habe eine Akademie aufgebaut… und meine
ersten Schüler entlassen, aber… hätte ich geahnt…

… Es war nicht zu ahnen. Wir handelten selbst schneller,
als wir es wollten. Ihr kennt Otiluke? Er ist tot, weil
er allein dachte, er könnte ihn aufhalten. Sein Gefährte
Faldendur wechselte die Seiten. Er dient jetzt Mordenkainen…

Nachdenklichkeit zeichnete sich auf dem Gesicht des
Magiers ab… er ging ein paar Schritte auf und ab,
versuchte sich an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen…
es waren Nachrichten, die großes Unheil beschworen.

… Und was habt Ihr noch getan? Was ist alles passiert?
Ich muß es wissen, Ihr werdet meine Hilfe brauchen?
Nein, antwortet nicht, ich folge Euch, die alten Zeiten
vermisse ich sowieso. Also, sprecht! …

… Nachdem Mordenkainens Seele wieder hier war,
beriefen wir ein Konzil ein. Otiluke und Faldendur
zogen auf eigene Faust los, als wir verkündeten, was
ich getan hatte; und warum…

… Wir kamen zu dem Ergebnis, daß nur alle zusammen
genug Macht zu vereinen, ihn endgültig zu zerschmettern.
Er war jedoch schneller als wir. Als wir seine Feste
stürmten, fanden wir nur ein paar Untote, die wir erschlugen…

… Er und Faldendur waren weg. Wir fanden noch Spuren
einer Beschwörung auf dem Dach, ein Tor in die Abyss wurde
aufgetan. Was er rief, wissen wir nicht.
Und nun stehen wir hier, und rätseln wo er sein könnte…

… Esidur, er ist nicht dumm. Er wird mit Euch gerechnet haben,
und wissen, daß er hier noch nicht stark genug ist.
Er wird versuchen, mehr Macht an sich zu ziehen, um
erneut ein Heer aufzustellen und sich zu festigen…

Alanor’s Worte hingen im Raum… wie eine Schicksalsklinge.
Die Gedanken waren beiden Priestern nicht fremd… aber
es gab viele Möglichkeiten für einen unsterblichen Magier.
Alliierte finden, Untertanen schaffen…oder…

… wenn er seinen Tod geplant hat… dann hat er auch an
eine Wiederkehr gedacht… und etwas vorbereitet.
Er hat etwas hinterlassen, das wir vielleicht übersehen haben,
meint Ihr nicht? …

... Ihr könntet recht haben…
eine Möglichkeit, die wir unbedingt erwägen sollten!
Vielleicht haben wir ihn tatsächlich um ein Gran unterschätzt…
Torin, gib dem Rat bescheid, sie sollen alle zusammenrufen! …

Und so geschah es.
Esidur sprach vor dem Rat, und es wurde beschlossen, daß
Gruppen von überall her angeworben werden… nicht nur
um Spuren zu suchen, was sie schon taten, sondern Magie…

Es vergingen einige Tage, bis die Dinge anliefen,
viele Abenteurer hörten den Ruf der Kirche…
und viele kamen nur des Goldes wegen…
der Auftrag war leicht: Findet die Orte großer Magie!

Und doch dachte niemand, daß Mordenkainen so weit gehen
würde, in Sedunya selbst, der Heiligen Stadt, etwas zu
verstecken… im bestgesichertsten Ort der Menschen…
geschützt vom Orden der Magie und dem Klerus.

Die Stalwart-Feste wurde als Anlaufpunkt für sämtliche
Korrespondenz genutzt, viele Boten trafen innerhalb der nächsten
Tage ein… aber sie brachten keine Neuigkeiten, nichts
wurde gefunden, kein Anhaltspunkt, keine unbekannte Magie.

Sorgenfalten zogen sich über Alanor’s Stirn, als er sein
geistiges Auge über die Welten schweifen lies…
die bekannte Welt schien im Aufruhr, die Gemüter der
Menschen waren erregt; Haß… Zorn… kam auf.

Die Hände über eine Kristallkugel… seinen Blick auf
die Randwelten gerichtet… fühlte er die Wellen…
Schwankungen großer Macht… das Weltgefüge…
veränderte sich…

Er riß die Augen auf… und legte seinen Kopf in
seine Hände… und dachte nach… während er
erschöpft Atem holte… und ging die Möglichkeiten durch…
die sie jetzt noch hatten. Er suchte Esidur auf.

... Esidur, wir haben ein Problem…
das Weltgefüge ist erschüttert… die Menschen
spüren diese Veränderung, und wenn wir es nicht
aufhalten, werden Kriege das Antlitz der Welt erschüttern…

Der Priester sah von den Berichten auf, und erhob sich
von seinem Schreibtisch. Langsam hob er den Blick,
und suchte sanft den des Magiers. Er sah alt aus…
um Jahre gealtert, innerhalb von Tagen.

… Auch ich spüre es, mein Freund, und um uns herum
ist alles stärker in Bewegung, als es sein sollte.
Und immer noch keine Spur! Nichts! Was könnte der
Bastard nur vorhaben! …

… Mäßigt Euch! Zorn hilft uns hier nicht weiter!
Gerade Ihr solltet es wissen, daß Glaube Stärke ist.
Wir werden tun, was unsere Bestimmung ist,
und nichts wird das aufhalten …

Resignierend seufzte er, und schritt zum Fenster…
warf einen Blick auf das Grün, das das Land vor ihm
bot… und nickte…
Alanor hatte recht…

Später an diesem Tag… traf ein elfischer Kundschafter ein.
Er überbrachte eine Depesche des Elfenfürsten, die
interessante Nachrichten überbrachten… über
einige tote Elben und einen toten schwarzen Drachen ohne Karfunkel.

Weiter wurde etwas über eine Elbin und einen
vernichteten Panther erzählt… und daß die Elbin durch
einen Riß in den Ebenen verschwunden ist… der Drache…
war eindeutig Faldendur… und die Frau… Mordenkainen?

Die Zeit raste… die Möglichkeiten vor dem Auge… dachte
Esidur dachte nach… und versuchte sein Ziel zu erkennen…
zog er eine Linie, von der ursprünglichen Feste zu
dem Wald… so lag nur noch Sedunya dort.

Aber so wahnwitzig könnte ein geschwächter Mordenkainen
- der Drache hat ihm mit Sicherheit Kraft gekostet –
nicht sein… aber sonst war da nichts… vielleicht könnte
es doch sein… eine andere Option gab es nicht.

Esidur, Alanor und Torin begleiteten den elbischen Botschafter.
Alanor beschwor einen Luftelementar, der sie kürzester Zeit
vor die Tore des Elfenwaldes brachte.
Von dort aus gingen sie weiter… um den Elfenfürst zu treffen.

Wunder umgaben sie… denn nach Minuten erkannten sie Häuser,
kunstvoll in Bäume gearbeitet… dünne Seidenfäden glitzernd in der
Sonne… eine Pracht, wie sie Königen würdig wäre…
und doch schlicht… und freundlich gehalten.

Ein großes, weißes Tor ragte vor ihnen auf, als sie weiter in die
Stadt marschierten… dort, dahinter wurden sie bereits erwartet…
der Fürst Vilraq nebst Gattin Almya warteten auf die Rückkehr…
und auch… der elbische Erzmagier.

… Seid gegrüßt, Reisende, Unser Auge hat Euch schon lange
erkannt… Esidur, Alanor, und ein Schüler. Willkommen!
Lange Zeit wart Ihr nicht mehr bei uns, werte Gäste.
Und auch nicht wegen eines solch traurigen Anlasses! ...

… Gruß, Euch dem Fürsten aller Elben!
Ich wünschte die Umstände wären besser, aber sie sind es nicht.
Wir danken für Eure Nachricht, und erbitten Euren Beistand.
Mordenkainen… ist zurück! ...

Schweigen… breitete sich aus… als die Elfen diese Botschaft
aufnahmen… und einige Minuten lang… schien auch der Wald
und die Tiere… zu lauschen… alles war still, nichts regte sich.
Der Fürst stand auf… und ging langsam auf Esidur und die Gefährten zu…

… Diese Nachricht… erschüttert Uns… wie konnte das geschehen?
Damals habt Ihr selbst ihn vernichtet! Und jetzt sagt Ihr, daß er lebt?
Erklärt mir das! Habt Ihr Euch geirrt? Oder sind stärkere Mächte
am Werk, gegen die Mordenkainen ein Schatten ist? …

… Die Dinge sind komplizierter als sie scheinen, mein Fürst.
Wir brauchen Eure Hilfe… und ihr vielleicht die unsere.
Laßt uns unter uns dies besprechen, ich habe Euch viel zu
berichten. Und vieles ist nicht erfreulich…

So erzählte Esidur bis spät in den Abend hinein von den
Vorkommnissen und über die nahe Vergangenheit.
Die anwesenden Elben lauschten bedächtig, stellten einige
Fragen und bedachten die Möglichkeiten.

… Und so ist es geschehen. Wir hatten keine Wahl. Und keine Zeit.
Auch ihr spürtet eine aufkeimende Dunkelheit…
doch lastet sie jetzt noch schwerer auf uns als zuvor…
mein Fürst, wir suchen Eure Freundschaft und Euren Rat…

Schweigen kehrte ein, während Vilraq die Möglichkeiten
durchdachte… Sorgenfalten zeigten sich selten bei ihm…
und doch war es jetzt die Zeit dafür.
Langsam erhob er den Blick und sah Esidur an.

… Dunkelheit bringt Euer Besuch… aber zu urteilen über Euch
maßen Wir Uns nicht an. Es ist Euer Leben.
Hört meine Worte: Nehmt Krieger, Magier, was ihr braucht.
Wir werden ein Heer aufstellen und die Zeit erwarten…

Unaussprechliches belastete die Gemüter…
das Leiden und das Sterben Tausender…
die Vorstellung eines Blutkrieges…
wie konnte das geschehen?

… Mein Fürst, ich danke Euch… wir brechen so bald wie
möglich auf. Wir müssen wissen, was er plant, wie stark
er ist. Wir müssen nach Sedunya und unsere Brüder dort
verständigen. Sollte es wirklich sein Ziel sein…

… Wie Ihr es wünscht. Die Zeit drängt, ihr habt recht.
Wir wünschen Euch den Segen der Götter…
kehrt wieder wann immer Ihr wollt…
A’ biun v’ha veraî!

Und so brachen sie auf, begleitet von einem kleinen Trupp
Elben, und waren nach vier Tagen den Wald hindurch.
Von Kummer und Furcht gestreift, kamen sie auf die Anhöhe,
hinter der Sedunya lag…

Aber… das war doch nicht möglich…
das konnte nicht sein!
Hier waren doch Hundertschaften stationiert…
Magier, Kämpfer, Priester… alle um das hier zu bewachen…

Ausgelöscht…
nur noch verkohlte Asche… Leichenteile überall…
die Wellen der freigewordenen Magie und der Todesängste
prallten auf die Kameraden… unendliche Pein ihnen raubte den Atem…

Sie standen vor den Ruinen von Sedunya, der heiligen Stadt…
vernichtet von einer Gewalt, die größer war, als je gedacht…
und noch schrecklicher war… daß sie hier Dämonenblut mit
Menschen blut gemischt hatte…

Körper, nicht menschlich, gefallen unter zahllosen Hieben,
schwarzes Blut… das wie Pech an eingestürzten Mauern klebte…
Klauen und Kiefer… Schwert und Stahl…
alles zerschlagen und vernichtet…

Unendliche Traurigkeit überfiel Esidur…
er fühlte sich schuldig, hatte all dies ausgelöst…
er sah auf das Schlachtfeld…
schloß die Augen… und lauschte in sich…


samedi 26 octobre 2002
14:28:23